15. Oktober 2015

Mein Tipp fürs Leben, den ich den Studenten mitgeben möchte? Überlegt euch, was euch wirklich etwas bringen wird im Leben und verfolgt diese Sache dann intensiv

Ich bin in meiner Accounting-Vorlesung vor kurzem auf digitale Hilfsmittel umgestiegen. Ich kombiniere aber gern: Grundsätzlich arbeite ich jetzt mit digitaler Unterstützung, wechsle aber gerne ab und zu kurz auf analoge Hilfsmittel, beispielsweise beim Schreiben. Da bevorzuge ich die klassische Technik mit dem Stift. Aber das ist nur noch ein kleiner Teil. Meine Schrift wurde, seit ich nicht mehr alles von Hand mache, komischerweise immer schöner. Das war aber auch nicht schwierig, schlimmer konnte es kaum werden (Kommentar der Redaktion: "Zum Glück war das Interview eine Tonaufnahme...").

Mein Tipp fürs Leben, den ich den Studenten mitgeben möchte? Überlegt euch, was euch wirklich etwas bringen wird im Leben und verfolgt diese Sache dann intensiv.

Prof. Dr. Conrad Meyer, Lehrstuhl für Accounting

04. Oktober 2015

Eine private Sache stört mich allerdings täglich: Meine Frisur sitzt nie. Ich habe wahnsinnig viele Locken, die mir beim Aufstehen in alle Richtungen abstehen. Diese müssen zuerst jeden Morgen gezähmt werden

Lieber Herr Seidl, wie um Himmels Willen schafft man es, immer so super motiviert zu sein!

"Die Vorlesung macht mir Spass, deshalb gehe ich mit mehr Freude rein, als wenn dies nicht der Fall wäre. Wenn von den Studenten viele Rückmeldungen kommen und sie sich aktiv einbringen, bin ich natürlich auch viel engagierter. Ausserdem bereite ich mich in der Regel sehr gut auf die Veranstaltungen vor. Auch wenn ich Vorlesungen schon oft wiederholt habe, überarbeite ich jede einzelne, baue neue Beispiele mit ein und passe sie aktuellen Geschehnissen an. Ich thematisiere auch oft Dinge, mit denen ich mich in der Forschung befasse, womit ich natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlage. Private Themen belasten mich nicht derart, dass sie mich in einer Vorlesung runterziehen würden. Eher sogar das Gegenteil. Hat man privat einmal ein Problem, kann man in einer Vorlesung richtig gut abschalten, weil man sich ganz auf die Inhalte und das Publikum konzentrieren muss.

Eine private Sache stört mich allerdings täglich: Meine Frisur sitzt nie. Ich habe wahnsinnig viele Locken, die mir beim Aufstehen in alle Richtungen abstehen. Diese müssen zuerst jeden Morgen gezähmt werden (Kommentar der Redaktion: "Sie sitzt immer! Einfach jedes mal! :O"). Dass ich mit Anzug und Krawatte in die Vorlesung komme, zeugt von einem gewissen Respekt gegenüber den Studierenden. Da ich ja in vielen Veranstaltungen zahlreiche Studierende – viele auch über Podcast – habe, möchte ich mich auch respektvoll anziehen. Privat habe ich aber alles Mögliche an auch mal Trainerhosen."

Lieber Herr Seidl, haben Sie einen weisen Ratschlag für die Studenten?

"Viele Studierende beginnen zu spät mit der Vorbereitung auf die Examen und kommen dann in Verzug. Ich war auch einmal Student und weiss, wie schwierig es ist, sich selbst zu disziplinieren. Schade finde ich, dass relativ wenige Studierende die Möglichkeit eines Austauschsemesters wahrnehmen. Viele Plätze bleiben ungenutzt. Da könnte man seitens der Studierenden sicherlich mehr machen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Studierenden zielstrebiger geworden sind als früher. Auch in Seminaren merke ich, dass Präsentationen und Foliendesigns wesentlich professioneller geworden sind über die Zeit (Kommentar der Redaktion: "Das hat er ernst gemeint und nicht auf die Differenzen zwischen Hellraumfolien und Power Point angespielt!").

Prof. David Seidl, PhD, Chair of Organization and Management

20. Januar 2019

In der Wissenschaft spielt es keine Rolle, welche Nation ich habe, wie ich aussehe, welche sexuelle Orientierung ich habe oder ob ich als Mann Nagellack aufhabe

Ich habe nie wirklich irgendwo dazugehört. Ich bin in den Philippinen geboren und war dort zu weiss. Ich kam in die Schweiz und gehörte auch hier nirgendwo hin. Und ich fragte mich ständig, was ich denn machen müsste, um Teil von etwas zu werden.

Im Psychologie-Studium versuchte ich den einzelnen Menschen zu verstehen. Aber dann realisierte ich, dass es viel interessanter ist, den Menschen nicht nur als Individuum, sondern als Mitglied einer Gesellschaft zu erforschen. Und so kam ich zur Ethnologie. Ich wollte wissen, was Zugehörigkeit ist, wie sie in einer Gruppe funktioniert und wie es dazu kommen kann, dass Menschen überhaupt marginalisiert werden. Wer gibt mir die Möglichkeit, Teil von etwas zu sein? Was muss ich machen, um in eine Gemeinschaft integriert zu werden? Akzeptiert zu werden, wie ich bin?

Mein Lebensmotto “Blooming in the Borderlands” habe ich mir auf den Arm tätowieren lassen. Ich habe dieses “Existieren zwischen den Grenzen” zu meinem Lebensinhalt gemacht. Ich bin kein Schweizer, aber ich bin auch kein Philippiner. Ich bin irgendwo dazwischen. Die Ethnologie gab mir das Werkzeug, um diesen Zwischenraum zu verstehen. Ich konnte dieses Gefühl der fehlenden Zugehörigkeit produktiv umsetzen. Ich fand ein neues Zuhause, nämlich die Wissenschaft. Dort spielt es keine Rolle, welche Nation ich habe, wie ich aussehe, welche sexuelle Orientierung ich habe oder ob ich als Mann Nagellack aufhabe. Das einzige, was zählt ist, dass ich kreativ Wissen anwenden kann, dass ich gute Arbeiten schreibe und meine Interessen verfolgen kann. Und bestenfalls dieses Wissen an meine Studierenden weitergebe.