27.10.2020

Auf dem Campus Irchel werden vier Primaten gehalten, an denen Tierversuche mit höchstem Schweregrad durchgeführt werden

Primaten sind uns Menschen sehr ähnlich, das zeigt die Evolution. Sie haben in etwa ein gleich grosses Gehirn, leben in komplexen Sozialstrukturen und haben eine vergleichbare Empfindungsfähigkeit. Und trotzdem werden sie nicht wie fühlende Wesen behandelt. Im Gegenteil, gerade weil sie uns so ähnlich sind, hat die Forschung grosses Interesse an Experimenten mit ihnen, so auch die Uni Zürich. Wer von euch weiss, was während eurer Vorlesung und eurer Kafipause in den Kellern des Irchel Campus sonst noch so abgeht?

Auf dem Campus Irchel werden vier Primaten gehalten, an denen Versuche mit Schweregrad drei durchgeführt werden. Das ist der höchste Schweregrad und bedeutet, dass die Belastung für die Tiere besonders hoch ist. An den Tieren wird Hirnforschung betrieben, indem ihnen in einem schmerzhaften Prozess Elektroden dauerhaft ins Hirn eingepflanzt werden und sie so Aufgaben lösen müssen. Dabei werden die Tiere in einem sogenannten Affenstuhl fixiert und es wird ihnen über längere Zeit Flüssigkeit entzogen, damit sie das Ganze überhaupt mitmachen. Um Störungen wie Alzheimer simulieren zu können, wird das Hirn der Affen aktiv geschädigt. Dass solche Versuche für die Affen extrem belastend sind, wird schnell klar.

Mit den Untersuchungen erhofft man sich, mehr Informationen über das menschliche Gehirn zu bekommen und Krankheiten wie Depression, Schizophrenie und Alzheimer besser behandeln zu können. Doch Tierversuche geraten immer mehr in Kritik, da sie höchst unethisch sind und die Übertragbarkeit auf den Menschen stark angezweifelt wird. Besonders bei Hirnforschung sind Tierversuche umstritten, weil Umwelteinflüsse bei psychischen Krankheiten einen grossen Einfluss haben und diese bei Tierversuchen nicht replizierbar sind.

 

Steht bei den Experimenten am Irchel der Nutzen im Verhältnis zu den Kosten für die Affen? Und wie kann das sein, dass derartige Experimente am Irchel ablaufen, ohne dass wir davon wissen?

Befürworter*innen von Tierversuchen argumentieren oft, dass sie Schweiz stark reguliert ist es den Tieren besser geht als in anderen Ländern. Doch leider kann man sich auch im schweizerischen System durchtricksen. Damit man Versuche mit solch einer hohen Belastung für die Tiere überhaupt durchführen darf, muss das von der Gesundheitskommission bewilligt werden. Dies ist im Falle der UZH aber nie geschehen. Dass die Experimente auf dem Irchel durchgeführt werden, war nur durch ein Schlupfloch möglich. Im Jahr 2009 wurde ein Antrag der UZH abgeschmettert, denn die Tierschutzkommission hat mit der Begründung, dass die Experimente unverhältnismässig seien, erfolgreich Rekurs dagegen eingelegt. Der mögliche Nutzen für die Forschung stehe nicht im Verhältnis zu der hohen Belastung für die Tiere, schliesslich handelt es sich um den höchsten der möglichen Belastungsgrade. Die Uni Zürich gab jedoch nicht auf und wagte 2017 einen erneuten Versuch. Obwohl die Tierschutzkommission wieder Rekurs eingelegt hatte, gewann die UZH. Warum jetzt plötzlich? Ganz einfach, es wurde ein bisschen gepfuscht. Diesmal hat nicht wie ordnungsgemäss die Gesundheitskommission entschieden, sondern der Regierungsrat. Also Politiker*innen, die nicht zwangsläufig Ahnung von Tierethik haben. Wieso das so ablaufen durfte, ist unklar. Im einsehbaren Gerichtsurteil vom 5. April 2017 geht klar hervor, dass eigentlich nicht der Regierungsrat zuständig gewesen wäre. Wörtlich steht: "Der Regierungsrat nahm daher zu Unrecht die sachliche Zuständigkeit für die Rekursbehandlung in Anspruch." Das Verfahren wurde aber keineswegs als nichtig erklärt «weil von einer allgemeinen Entscheidungsgewalt des Regierungsrats im Bereich des Rekurswesens gesprochen werden kann». Dennoch wird am Ende festgehalten, dass in Zukunft Rekurse betreffend Tierversuchsbewilligungen wieder von der Gesundheitsdirektion zu behandeln sind. Obwohl das Gericht also zugibt, dass das Verfahren falsch abgelaufen ist, lief für die 4 Affen einiges schief und die Versuche am Irchel dürfen trotzdem weitergeführt werden.

 

Wusstest du von den Affenversuchen auf dem Irchel und was hältst du von Tierversuchen?

Schreib uns deine Meinung in die Kommentare!

 

Für weitere Informationen, geh auf die Website von Stopp Affenversuche Zürich!

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