28.10.2020

Wer etwas gegen Tierversuche aufgrund des Tierleidens hat, muss eigentlich zuerst anderswo ansetzen

...denn Legehennen oder Rinder und Schweine für den Fleischkonsum werden bedeutend grausamer gehalten: auf engstem Raum und ohne Ablenkung. Die Makaken am Irchel hingegen haben relativ viel Auslauf und verschiedene Zeitvertreibe. Im Gegensatz zu Tierversuchen ist der Verzehr von Fleisch jedoch gesellschaftlich akzeptiert. Dabei ist der Nutzen von Tierversuchen bedeutend grösser. Es geht dabei nicht um Genuss oder Luxus, sondern darum, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. Bei den Makaka-Affen hier an der Uni beispielsweise wird die Wirkung von Medikamenten zur Erleichterung der Symptome von Schizophrenie und ADHS untersucht, da die aktuellen starke Nebenwirkungen haben. Leider ist das Testen der Wirkstoffe nur an Primaten möglich, da andere Tiere kein vergleichbares Hirnteil haben. Natürlich haben die Forschenden auch nach Alternativen gesucht, denn Tierversuche macht letztendlich niemand gerne. Zudem sind Experimente an Tieren in der Schweiz stark reguliert und wer einen machen will, muss unter Anderem zuerst durch eine Ethik-Kommission, die auch aus Tierrechtsexpert*innen besteht. Es gibt klare Vorschriften, wie die Tiere gehalten werden sollen. Oft sehen die Versuche auch schlimmer aus, als sie es tatsächlich sind. Ein gutes Beispiel sind Elektroden, die einen auf den ersten Blick vielleicht erschrecken, aber dem Affen keine Schmerzen zufügen. Traurigerweise müssen Versuchstiere jedoch am Ende ihrer Zeit im Labor getötet werden. Dies ist einerseits eine Vorschrift, anderseits wird das Hirn des Tieres noch zur Forschung gebraucht. Letzten Endes läuft alles auf das folgende Gedankenexperiment hinaus: würdest Du lieber einen dir nahestehenden Menschen leiden/sterben lassen, oder dass man weiter an Tieren forscht?

Location

UZH Irchel

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