23.03.2021

Es war einer der letzten gemeinsamen Momente der beiden und ich habe ihn zufällig festgehalten

Geniesse ich den Moment oder halte ich ihn fest? Dieser Struggle ist beim Fotografieren auf der Strasse allgegenwärtig. Um ein gutes Bild zu bekommen, muss ich sehen – da sein im Moment. Wenn ich nicht präsent bin, weil ich zu tief in meinem Kopf steck und meine Gedanken mich ablenken, dann gehen die Momente in der Aussenwelt an mir vorbei und ich krieg sie nicht fotografiert.

Dass ich neu bin in Zürich, ist für meine Fotografie eine Chance. Ich habe durch die Bilder schnell Zugang gefunden zu der Stadt. Sie hat meine Art zu fotografieren verändert. Mir sind viele kleine Dinge aufgefallen, wie Bodenmarkierungen oder wenn irgendwo Müll herumliegt. Diese Dinge fallen mir in meiner Heimatstadt Hamburg nicht mehr so auf.

Fotografieren kann sehr flüchtig sein. Die meisten Menschen, die ich fotografiere, gehen vorbei und wissen nicht, dass gerade ein Bild entstanden ist. Umso schöner ist es, wenn meine Arbeit etwas auslöst. In meiner Heimatstadt Hamburg habe ich einmal einen Mann und seinen Hund vor einer Graffiti-Wand fotografiert. Als das Bild auf meinem Insta-Account landete, schrieb mir eine Bekannte, dass der Mann ihr Nachbar und der Hund an jenem Abend dann verstorben sei. Ich habe ihr das Bild gegeben und sie hat es ihm geschenkt. Er hat sich wohl sehr gefreut. Es war einer der letzten gemeinsamen Momente der beiden und ich habe ihn zufällig festgehalten. Dass ich ihm mit dem Bild so viel geben konnte, hat mich sehr berührt.

- Max, Art Education ZHdK

Location

Zürcher Hochschule der Künste

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