02.03.2021

Als ich zum ersten Mal die Universität Zürich besichtigte, schaute ich eine geschlagene Minute lang ein „Rollschuhe verboten“ Schild an

Denn es gab mir einiges zu denken. In Kabul stehen nämlich auch einige Verbotsschilder an der Universität, aber für Schusswaffen. Zu einem gewissen Grad ist diese Anekdote sinnbildlich für den Kulturunterschied zwischen der Schweiz und Afghanistan. Als ich vor etwa neun Jahren in die Schweiz kam, war wirklich alles sehr neu und fremd. Ich hatte einiges vor mir, um hier studieren zu können: zuerst musste ich die die schweizerische Matura absolvieren sowie die C1 Prüfung in Deutsch ablegen. Um aber überhaupt so weit zu kommen, musste ich vorab ein Visum erlangen, welches beim ersten Mal abgelehnt wurde. Mein Weg zum BWL-Studium an der Uni Zürich war also sehr steinig. So steinig sogar, dass ich den Studiengang nicht abschliessen konnte. Trotzdem habe ich viel für mein Leben mitgenommen, da ich zwei Mal intensiv für die Prüfungen lernte. Kombiniert mit meinem jetzigen Ethnologiestudium gibt mir das einen nuanciertes Verständnis unserer Gesellschaft. So versuche ich immer nachzuvollziehen, was mein Gegenüber braucht oder erreichen möchte. Davon profitiere ich in meinem Privatleben und bei meinen beiden Start-Ups. Beim einen vermitteln ich und einige Studienkollegen lokale Expert*innen aus Afghanistan, Somalien und dem Sudan an Personen, die hier Informationen über diese Länder brauchen. Es gibt nämlich viele Expert*innen, die selbst nie vor Ort waren. Nebenbei bin ich bei ASAS tätig, der African Students Association of Zurich, für die ich den Kontakt zu anderen afghanischen Studierendenvereinigungen herstelle. Zu Nicht-Corona Zeiten veranstalten wir für uns und alle Interessierten gemeinsame Essen, bei denen wir leckere afghanisches Gerichte kochen.

 

  • Yousuf, Ethnologie und Modern Asia and Middle Eastern Studies, UZH
Location

UZH Campus

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