03.05.2021

Behinderung und Spitzenforschung schliessen sich gegenseitig nicht aus, dies zu zeigen ist mir ein Anliegen

Es gibt genügend Menschen, die bewiesen haben, dass ein Handicap und grossartige Errungenschaften Hand in Hand gehen. Ich wuchs in einem kleinen Dorf mit 2000 Heimplätzen auf und wurde dadurch schon von klein auf durch den Umgang mit Menschen mit Behinderung geprägt. Dies legte u.a. den Grundstein dafür, dass ich Soziale Arbeit studiert und mich auf die Inklusionsarbeit fokussiert habe. Heute leite ich die Fachstelle für Behinderung an der UZH, wo wir die Uni gemeinsam mit anderen Einheiten auf eine grösstmögliche Nutzer:innengruppe ausrichten. So arbeiten wir beispielsweise an der Barrierefreiheit für Rollstuhlnutzende, an Induktionsschlaufen für Hörbeeinträchtigte und an E-Learning Tools um das Studium ins Wohnzimmer zu verlagern.

Wichtig dabei ist, dass bei der Einführung von neuen Tools keine neuen Barrieren entstehen. Speziell schöne Momente sind für mich, wenn unsere Studierende erfolgreich abschliessen und als gestandene Akademiker:innen ihren Wert und ihre Stärken in die Gesellschaft tragen.

Auch wir stossen an der UZH auf die berühmten «Barrieren in den Köpfen», was uns oft herausfordert. So hören wir heute oft, Eliteuni und Behinderungen seien nicht vereinbar. Dabei haben an der UZH seit Anbeginn schon immer Menschen mit Behinderungen erfolgreich studiert. Dies zeigt, dass die Akzeptanz und der bewusste Einbezug von Menschen mit Behinderung eine der nächsten gesellschaftlichen Entwicklungsstufen ist, und da muss man manchmal ein wenig dranbleiben und sich für den Wandelprozess einsetzen. Auch wenn nicht jede Behinderung durch die Uni kompensiert werden kann, sollten wir das klare Ziel verfolgen, niemanden von vornherein durch unnötige Barrieren auszuschliessen. So wissen wir beispielweise, dass ein Mensch im Rollstuhl nur dann behindert ist, wenn die Vorlesung ausschliesslich via Treppenstufen zu erreichen ist.

Ich denke, dass der Diversitätsgedanke in der Gesellschaft angekommen ist, und dass sich die Rahmenbedingungen für die Inklusion an der UZH stetig, wenn auch langsam verbessern.

  • Benjamin, Fachstelle für Behinderung

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