30.06.2021

Auch wenn ein Problem erst nicht zu bewältigen scheint, gibt es immer mehrere Lösungswege. Dies möchte ich meinen Schüler:innen mitgeben, sowohl für die Mathematik als auch für das Leben.

Schliesslich ist die Jugend eine Zeit voller Veränderungen, Problemen und Fragen über die Welt und die eigene Identität. Das ist nicht einfach. Um einen Impact auf junge Leute in diesem Alter zu haben, entschied ich mich nach meinem Doktorat in Mathematik dafür, von der Forschung ins Klassenzimmer zu wechseln.
Klar, für die Schüler:innen bin ich in erster Linie ihr Lehrer. Aber ich möchte auch als Mensch authentisch sein, darum ist es mir wichtig, mich vor der Klasse zu outen. Einen schwulen Lehrer zu haben, hätte mir damals auf jeden Fall geholfen. Als ein solcher möchte ich den Schüler:innen ein Beispiel geben und einen respektvollen Umgang mit dem Thema fördern.
Mich vor neuen Personen zu outen, kostet mich noch immer sehr viel Mut. Der Verein @z.und.h hat mir sehr dabei geholfen, zu mir zu stehen. Trotz dem tollen Angebot an universitären LGBTIQ+ Vereinen, fand ich die Geschlechtertrennung aber etwas problematisch. Trans oder nonbinäre Menschen werden quasi ausgeschlossen. Schliesslich ist Transfeindlichkeit auch innerhalb der LGBTIQ+ Community ein Problem. Als Präsident von Z&H setzte ich mich erfolgreich dafür ein, dass wir mit dem Verband für lesbische und bisexuelle Frauen L-Punk fusionieren und für alle offen sind. Dadurch wird die Landschaft der Vereine inklusiver.
Auch wenn sich in der Gesellschaft noch viel mehr ändern muss, ist dies ein kleiner Schritt vorwärts. Und ich bin mir sicher, dass sich in Zukunft noch einiges verbessern wird. Das gibt mir Mut. Denn nichts ist vergleichbar mit dem Erfolgsgefühl, ein komplexes Problem endlich lösen zu können.

- Riccardo, Mathematik, ETH, Z&H

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ETH

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