27.07.2021

Unsere Umstände sind vermutlich nicht diejenigen eines Durchschnitt-Studierenden: Wir sind kurdische Asylsuchende, die vor knapp vier Jahren ihr zweites Leben in der Schweiz beginnen durften

Studiert haben wir bereits in unserem Herkunftsland - aufgrund des an der UZH angebotenen Schnupperprogramms für Flüchtlinge wurde es uns ermöglicht, auch hier akademischen Zutritt zu erhalten. Derzeit sind wir beide an der Uni Basel immatrikuliert, ich (Dilan) bin in meinem Master in Betriebswirtschaft, meine Schwester Dilara studiert im Bachelor Psychologie. Die Sprache haben wir uns selbst beigebracht, denn die damals für uns zugänglichen Deutschkurse allein waren nicht ausreichend, um den Alltag zu meistern, noch soziale Kontakte zu knüpfen, geschweige denn irgendwelchen Vorlesungen Folge leisten zu können.

Das Studium schenkt uns die Möglichkeit in die hiesige Welt einzutauchen. Etwas, von dem der Grossteil der Asylant*Innen nur träumen kann. Sie bleiben in ihrem Parallel-Universum, das aufgrund seiner Fremdartigkeit für viele Menschen nur finster daneben existiert. Wir leben in beiden Welten: am Tag sind wir Studierende an der Uni, am Abend kehren wir als Flüchtlinge in unsere Kollektiv-Unterkunft zurück

Vor einigen Monaten erfuhren wir von der Ablehnung unseres Asyl-Antrags. Gegen den Entscheid haben wir uns gewehrt, der Prozess ist bis heute noch in Gang. Bis zum Studien-Abschluss dürfen wir sicher einmal bleiben.

Was danach kommt, wissen wir nicht.

Wir haben einen Traum. Nämlich, dass die Menschen uns nicht nur als Asylsuchende betrachten, sondern auch erkennen, dass wir Namen und Geschichten haben. Dass man uns auf Augenhöhe begegnet. Dass es als menschlich betrachtet werden kann, seine sieben Sachen zu packen und das Glück ausserhalb der eigenen Misere zu suchen. Und wir träumen noch weiter, nämlich, dass man endlich Brücken zwischen diesen beiden Welten baut und damit eine Diversität von Kulturen sowie Ländern als Chance wahrnimmt.

 

- Dilan und Dilaria

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