07. Januar 2018

Wie schwer ist es, das eigene Kind so zu akzeptieren wie es ist? Für meine Eltern ist dies seit einiger Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. ...

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Ein Doppelleben ist anstrengend. Es ist anstrengend immer zu lügen und Dinge zu verschweigen. Es ist anstrengend, ständig einen so wichtigen Teil von mir zu verheimlichen. Aber es ist auch anstrengend, die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit, die einen in anderen Teilen der Welt als krank erklärt, aber auch hier in den Köpfen der Leute als „eine von denen“ abstempelt und Dinge verändert, die einmal selbstverständlich waren.

 Meine Eltern sind im Kosovo mit der unveränderlichen Idee aufgewachsen, dass eine Frau zu einem Mann gehört. Als sie erfuhren, dass ich danach nicht leben wollte, weinte meine Mutter und mein Vater sprach eine Woche lang nicht mehr mit mir. Nach heftigen Diskussionen und verweinten Nächten haben wir mittlerweile aufgehört darüber zu sprechen. Meine Eltern haben mir verboten, meine Freundin mit nach Hause zu nehmen und haben kein Interesse daran, sie kennenzulernen. Sie wollen nichts über diesen Teil meines Lebens wissen, was mir das schmerzende Gefühl gibt, nicht vollumfänglich akzeptiert und geliebt zu sein. Aber trotzdem bin ich mir sicher, dass sie versuchen werden, es irgendwie zu akzeptieren, auch wenn es seine Zeit brauchen wird.

 Umso schöner ist es, wie mein Freundeskreis damit umgeht oder wenn fremde Leute positiv reagieren. Als ich letzten Sommer Hand in Hand mit meiner Freundin durch die Stadt lief, kamen hin und wieder Passanten oder Passantinnen zu uns und meinten, wie schön sie es fänden, so etwas wie uns zu sehen.

 Es ist nicht immer einfach, anders zu sein. Und trotzdem sich selbst zu sein braucht Mut. Diese Kraft wünsche ich jedem und jeder: Den Mut, sich weder von Statements, noch von respektlosen Handlungen davon abhalten zu lassen, ausdrucksvoll zu lieben wen man liebt.