11. Februar 2018

Im August 2016 kam der Neffe meines Cousins, Mustafa, mit einer Vielzahl körperlicher Malfunktionen in der Türkei zur Welt. Aufgrund deren hohen Schweregrades, war die Durchführung mehrerer Operationen unumgänglich. Ich wusste, dass ich auf irgendeine Weise tätig werden musste ...

Sende ein Geschenk!

Für eine türkische Familie aus der einfachen Mittelschicht sind solche Operationen eine finanziell nicht tragbare Bürde. Nachdem mein Cousin einen Spezialisten gefunden hatte, der bereit war, die erste OP durchzuführen, startete er einen einfachen Spendenaufruf auf Facebook, ohne gross Hoffnung auf weitreichenden Erfolg zu haben. Anfänglich schloss ich mich dadurch an, indem ich seine Beiträge teilte oder eigene erstellte. Und dann ging alles plötzlich ganz schnell. Menschen, die von der Geschichte Wind bekommen hatten, gingen auf mich zu, zeigten Interesse, stellten aber verständlicherweise auch viele Fragen. Um  mehr Transparenz zu schaffen, eröffnete ich ein Konto für die eingehenden Spenden und gründete den Verein “Hilfe für ein krankes Kind”. Ebenfalls richteten wir Mustafa eine eigene Seite auf Facebook ein, um Interessierten den hoffentlich bald einsetzenden Fortschritt von Mustafas Krankengeschichte aufzeigen zu können.

Letzten Endes gelangten wir an den Punkt, an dem Menschen Aufnahmen von ihm sehen wollten – wohl um die letzten Zweifel zu beseitigen. Mit dieser Forderung geriet ich aber in einen inneren Konflikt. Es schien mir zu intim und persönlich, ihn mit seinem körperlichen Leiden der digitalen Gemeinschaft zu entblössen. Abgesehen davon, dass wir ihn nicht nach einer Einwilligung hätten fragen können. Aber so ticken wir Menschen - wir glauben Bildern mehr als Worten. Und ich musste mir einreden, dass, falls dies der einzige Weg war ihm zu helfen, ich ihn eben einschlagen müsste - was ich dann auch tat.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Aufnahmen wirkte dann aber wie das Erreichen eines Schwellenpunkts - die Anteilnahme stieg. Das Ganze nahm eine Eigendynamik an, die ich selbst jetzt, mehr als einem Jahr später, noch immer nicht begreifen kann. Ich weiss nur, dass ich in dieser Zeit berührt und voller Liebe war, weil ich gesehen habe, dass Menschen selbstlos Menschen sein können, wenn sie nur wollen.

Gesamthaft schafften wir es einen Betrag von CHF 22’000 einzunehmen, wodurch Mustafa bereits drei grosse Operationen ermöglicht wurden. Um Neujahr 17/18 herum habe ich ihn besucht; Er ist ein lebendiges Bürschchen mit voller Lebensfreude. Zwar hat er noch einige Operationen vor sich, aber ist nun schon so weit gekommen und erstarkt, dass ich weiss, dass er die anderen auch noch überstehen wird. Den Verein “Hilfe für ein krankes Kind” lasse ich übrigens bestehen bzw. möchte ich ausbauen, denn vielleicht braucht irgendwo und irgendwann ein anderes Kind genauso Hilfe, wie Mustafa es tat. Und Mustafas Mutter ist sich sicher, dass, sobald ihr Sohn in ein Alter gelangt, das ihm erlaubt zu begreifen, was Andere für ihn getan haben, er jedem einzelnen seiner damaligen Helfer die Hand schütteln wird.

 

Hier gehts zur Facebook Seite: Hilfe für ein krankes Kind