08. Oktober 2018

Wir rutschen in unbehagliche Alltagspeinlichkeiten, die uns mit einem stumpfen Gefühl der Scham und Verletzlichkeit zurücklassen. Dabei passieren sie uns doch allen Mal! ...

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Ich wurde gefragt, wie ich es schaffe, in den unmöglichsten Situationen die Fassung zu bewahren, weil sie für andere vermutlich beschämend wären. Ich fragte zurück, was denn der Benefit sei, wenn ich es nicht tun würde. Wir Menschen sind teilweise so erpicht darauf, in unserer Umwelt nicht durch merkwürdig-anmutende Verhaltensweisen aufzufallen, dass, wenn sie uns dann widerfahren, wir niedergeschlagen unseren erröteten Kopf einziehen. Die Leute herum merken dann unser Unannehmlichkeits-Empfinden und bestätigen ihrerseits dann gedanklich die Peinlichkeit der Lage. Wenn man die Sache aber mit Humor nimmt und eine Natürlichkeit wahrt, dann ist alles eigentlich nur halb so schlimm.

Ich erinnere mich an eine Situation, die sich während meines Englisch-Aufenthaltes in San Diego ereignete. Ich war auf dem Weg zur nahe gelegenen Busstation, um von dort aus den Bus zu meiner Schule zu nehmen. Aus zeitlicher Falsch-Kalkulation musste ich jedoch nicht nur dem vollen Bus nachrennen und ihn mit wild gestikulierenden Armen auf offener Strasse anhalten, sondern stand, nach dem ich ihn bestiegen hatte, auch wieder vor einem harschen Rauswurf aus demselben. Die Fahrerin war nämlich von meinem Zahlungsversuch mit meiner 20 Dollar Note- es musste haargenau der Fahrpreis sein - nicht sonderlich beeindruckt. Die Geduld verlierend, forderte sie mich lauthals auf, den Bus zu verlassen. Die anderen Passagiere reckten natürlich bereits neugierig ihre kurzen Hälse und warteten auf meine Reaktion. Ich blieb gelassen, höflich und versuchte mein Glück noch ein wenig. Kurz bevor die Türen dann doch aufglitten, hörte ich eine Frauenstimme hinter mir, sie würde die Fahrt übernehmen. Als ich Platz nahm sah ich in lächelnde Gesichter und kein einziger verstohlener Blick suchte mich heim. Fazit: Bleibt locker – oder nehmt halt einfach den nächsten Bus