28. Oktober 2018

Objektiv, ausgewogen. Faktenzentriert und unabhängig. Das ist KEINE Beschreibung meiner Zukünftigen, sondern einer guten, journalistischen Berichtserstattung. ...

Sende ein Geschenk!

Zumindest würde ein Journalist wohl auf diese Weise das Idealbild einer guten Berichterstattung malen, sollte man ihn danach fragen. Doch wer tut das schon? Stattdessen werden immer öfter wir Leser gefragt, was und in welcher Form wir denn gerne vorgesetzt bekommen. Letztens nahmen zwei Senioren neben mir in der S-Bahn Platz und einer schnappte sich eine herrenlose Pendlerzeitung. Nach fünf Minuten des konzentrierten Lesens sah er schliesslich auf und sagte: „ Die Welt wird immer dümmer, Rollie. Und wir sind mittendrin.“ Ich musste lachen.

 

Anstelle jedoch immer die Journalisten zu bezichtigen, kann man den Spiess ruhig umdrehen und uns als Nachfrager einmal zur Rechenschaft ziehen. Und zwar für unsere manchmal ziemlich dämliche Nachfrage. Da kommen zweifelslos ein paar Formate oder Inhalte in Frage. Klar können wir uns nicht morgens bis abends kollektiv relevanten Informationsflüssen aussetzen. Aber wenn ich meine, ich sei jetzt auf dem aktuellsten politischen Stand, weil ich endlich weiss, auf welchem Golfplatz Trump einen sonnigen Nachmittag verbracht hat, dann ist das Unsinn. Wer sich auf diese Weise vom weltlichen Geschehen abkoppelt, der sollte sich mindestens bewusst sein, dass er dadurch einen Teil seiner Mitentscheidungsgewalt abgibt. Oder Mitwirkungsmöglichkeiten verspielt. Oder einfach nicht besonders klug wirkt. Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass das Bild von Donald mit wehend gelbem Haar und wedelndem Golfstock durchaus mehr Unterhaltung bietet, als die Ergebnisse der letzten Nationalratswahlen.

 

Tipp der Redaktion: Bei der NZZ gibts jetzt alle online Inhalte für 5 Stutz im Monat - nur für Studis!