20. Januar 2019

In der Wissenschaft spielt es keine Rolle, welche Nation ich habe, wie ich aussehe, welche sexuelle Orientierung ich habe oder ob ich als Mann Nagellack aufhabe ...

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Ich habe nie wirklich irgendwo dazugehört. Ich bin in den Philippinen geboren und war dort zu weiss. Ich kam in die Schweiz und gehörte auch hier nirgendwo hin. Und ich fragte mich ständig, was ich denn machen müsste, um Teil von etwas zu werden.

Im Psychologie-Studium versuchte ich den einzelnen Menschen zu verstehen. Aber dann realisierte ich, dass es viel interessanter ist, den Menschen nicht nur als Individuum, sondern als Mitglied einer Gesellschaft zu erforschen. Und so kam ich zur Ethnologie. Ich wollte wissen, was Zugehörigkeit ist, wie sie in einer Gruppe funktioniert und wie es dazu kommen kann, dass Menschen überhaupt marginalisiert werden. Wer gibt mir die Möglichkeit, Teil von etwas zu sein? Was muss ich machen, um in eine Gemeinschaft integriert zu werden? Akzeptiert zu werden, wie ich bin?

Mein Lebensmotto “Blooming in the Borderlands” habe ich mir auf den Arm tätowieren lassen. Ich habe dieses “Existieren zwischen den Grenzen” zu meinem Lebensinhalt gemacht. Ich bin kein Schweizer, aber ich bin auch kein Philippiner. Ich bin irgendwo dazwischen. Die Ethnologie gab mir das Werkzeug, um diesen Zwischenraum zu verstehen. Ich konnte dieses Gefühl der fehlenden Zugehörigkeit produktiv umsetzen. Ich fand ein neues Zuhause, nämlich die Wissenschaft. Dort spielt es keine Rolle, welche Nation ich habe, wie ich aussehe, welche sexuelle Orientierung ich habe oder ob ich als Mann Nagellack aufhabe. Das einzige, was zählt ist, dass ich kreativ Wissen anwenden kann, dass ich gute Arbeiten schreibe und meine Interessen verfolgen kann. Und bestenfalls dieses Wissen an meine Studierenden weitergebe.