07. April 2019

Die Wortwahl beeinflusst die Wahrnehmung: Soll ich “erstochen”, “abgestochen” oder vielleicht doch den dramaturgischen Begriff des "aufgeschlitzt-werden” verwenden? ...

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Ich war als Praktikant bei einem Tagblatt an der Recherche eines Artikels beteiligt, der einen tödlichen Messerangriff zum Inhalt hatte. Ich realisierte zwei Dinge: Wie leicht sich die Wahrnehmung des Lesers durch die Wortwahl verändern lässt und wie schnell dies beim Schreiben in Vergessenheit geraten kann.

Obwohl eine Tageszeitung in erster Linie informieren soll, muss oftmals eine Portion Unterhaltung beigemengt werden, um die breite Masse zu erreichen. An der Uni muss ich die Professoren mit meinen Texten zum Glück nicht amüsieren. Im Journalismus bewege ich mich jedoch auf diesem feinen Grad zwischen Unterhaltung, Information und Sachlichkeit. Ich beeinflusse, wie die Wirklichkeit von den Rezipienten wahrgenommen wird, was eine grosse Verantwortung mit sich bringt. Während in der Wissenschaft beispielsweise jedes Zitat kritisch reflektiert werden sollte, steht es mir als Journalist frei, eine Aussage unkommentiert stehen zu lassen.

Letztendlich steht hinter jedem von Menschenhand verfassten Artikel ein Individuum, das nun mal nicht gänzlich frei von Subjektivität ist. Der Objektivität als journalistischer Grundsatz muss also gekonnt Rechnung getragen werden – was sich je nach Zeitung ziemlich unterscheiden kann.

 

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