14. April 2019

Wie viele Grenzlinien, lassen sich auch jene des menschlichen Leistungsvermögens verschieben. Ich bevorzugte illegale Aufputschmittel - sie verfehlten ihre Wirkung nie ...

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Manch einer mag mich gierig nennen. Ich nannte es eine Malfunktion innerhalb meiner Prioritätensetzung. Das Leben schien mir zu schnell verblüht, als dass mir die Zeit gegeben wäre, Dinge sachte in Angriff zu nehmen. Nebst Studium zählte ich mehrere Jobs. Dennoch wollte ich Spitzennoten haben, Sprachen lernen, Salsa tanzen, in der Suppenküche aushelfen und meine Jugend gebührend feiern. Ich sah es nicht als verkehrt an, schliesslich diente der Konsum nicht dem banalen Zweck, einfach nur mein Nachtleben aufzupeppen. Ich wollte wach sein, das Maximum leisten, auf nichts verzichten.

Von nur “ab und zu” hatte sich der Verzehr irgendwann auf täglicher Basis etabliert. Nach gut einem Jahr, war ich nicht mehr ich selbst. Schwere Schlafstörungen, Depressionen und eine Reihe körperlicher Beschwerden suchten mich heim. Vom finanziellen Aspekt mal abgesehen - ich gab ein Vermögen aus. Längst waren die Drogen kein Hilfsmittel mehr, ich arbeitete für sie. Das Gefühl von Befriedigung wurde mir fremd, ich verspürte nur noch eine unglaubliche Wut gegen die Welt und auf mich selbst. Der Wendepunkt kam, als ich nach einer wilden Nacht im Morgengrauen nach Hause schlich und mir zwei Junkies wimmernd entgegen torkelten. Bald meine Spiegelbilder? Mein Verhalten war dämlich: eine verwöhnte Jugendliche der Moderne – gescheitert an der eigenen Langeweile. Ich schämte mich, v.a. aber dachte ich an meine Eltern.

Heute weiss ich: Ich bin ein Mensch. Der nunmal begrenzte Kapazitäten hat. Und dann ploppt mir der so oft von meiner Mutter wiedergebene Satz in den Sinn: “Schatz, man kann nicht alles haben”. Und wie so oft, hatte sie wieder einmal recht.