26. September 2019

Wenn ich kommunizieren kann, fühle ich mich sicher in meiner Haut - als Mensch, als Frau, als Mutter, als eingebürgerte Schweizerin. ...

Sende ein Geschenk!

Ich studiere nicht nur, weil ich eine neue berufliche Perspektive suche oder wissbegierig bin, sondern weil ich mehr als nur einen Zugang zur deutschen Sprache haben möchte. 

In Brasilien habe ich brasilianische und portugiesische Literatur sowie Linguistik studiert und hier in der Schweiz gerade französische Literatur und populäre Kulturen. Sprache ist Kommunikation und wenn ich kommunizieren kann, fühle ich mich sicher in meiner Haut – als Mensch, als Frau, als Mutter, als eingebürgerte Schweizerin.  

In letzter Zeit denke ich oft über meine Ankunft in der Schweiz nach. Zu Beginn hatte ich “nur” mit meiner kulturellen Identität zu kämpfen: als Migrantin in einem neuen Land. Kurz nach meiner Ankunft erhielt ich dann aber mein erstes Kind. Natürlich empfand ich Liebe und Glück – doch gleichzeitig wusste ich nicht, wo ich hingehörte... wer ich war.  

Es war sehr schwierig für mich, mit mehreren Identitäten zu kämpfen. Aber genau diese Suche nach Zugehörigkeit und die Konfrontation mit unbekannten, manchmal unangenehmen Situationen, half mir, meine persönlichen Interessen und Stärken zu finden. Mittlerweile fühle mich wohl und daheim in der Schweiz, bin mir meiner brasilianischen Wurzeln bewusst und lebe sie – auch mit meinen Kindern.  

Ich erkenne und anerkenne die Wichtigkeit von Sprache(n). Nur so konnte ich mich wirklich integrieren. Die Einbürgerung ist sicherlich wichtig, aber genauso wichtig ist auch der alltägliche Umgang mit Menschen. Erst wenn ich meine Kinder in die Schule begleite und dort mit den anderen Eltern oder den Lehrern interagieren kann oder wenn ich an der Uni mit meinen Mitstudierenden diskutiere, fühle ich mich verstanden und akzeptiert – als hybride Schweizerin.”