10. November 2019

Pro Kritik hat sicher jemand geweint, denn es kam immer wieder vor, dass der Professor ausgerastet ist, weil ihm etwas am betreffenden Projekt nicht gepasst hat ...

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Mein Professor im ersten Jahr war ein Mistkerl. Wenn er in die Koje gekommen ist, dann waren alle still. Er war der „Gott“ und wir Studis haben das zu spüren bekommen. Man hatte Angst vor ihm.

Das Problem in der Architektur ist, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, die Arbeiten werden subjektiv beurteilt. Die Professoren sind oft hohe Tiere in der Architekturwelt, welche von den Studierenden automatisch auf ein Podest gestellt werden. Wir haben uns nie getraut etwas zu sagen bei den Kritiken, aber an der Universität sollte es doch einen Diskurs geben können, oder? Pro Kritik hat sicher jemand geweint, denn es kam immer wieder vor, dass der Professor ausgerastet ist, weil ihm etwas am betreffenden Projekt nicht gepasst hat. Ich akzeptierte das alles als normal und begann sogar, es gegenüber anderen zu verteidigen, obwohl ich eigentlich wusste, dass es nicht okay war.

Ich glaube, das Denken, dass solche Dinge normal sind, schwappt in die Machtverhältnisse über. Wenn ein Professor etwas sagt, dann diskutiert man nicht: Was er sagt, gilt. Und wenn er ein oben-ohne Bild schickt, dann hat die Empfängerin das vielleicht komisch gefunden, aber sich wohl nicht getraut, ihm das direkt zu sagen. Er ist der Professor. Er ist der, der über deine Note entscheidet, darüber, ob du weiterstudieren kannst. Er ist der, der die Macht hat.