08. Dezember 2019

Seit einem Jahr kenne ich die Diagnose. Ich habe ADHS. Schon lange merke ich, wie sich diese Beeinträchtigung auf mein Studium auswirkt. Meistens leider negativ ...

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Das erste Fach, das ich zu studieren begann, habe ich nicht geschafft. Dass ADHS eine Konzentrationsschwäche mit sich bringt, wissen viele sogenannte neurotypische Menschen. Weniger bekannt ist, dass Menschen mit ADHS häufig von zusätzlichen psychischen Belastungen betroffen sind. Ich selbst habe oft mit sozialer Angst zu kämpfen. Dadurch ist es besonders schwierig für mich, Präsentationen zu halten. Arbeiten zu schreiben oder dranzubleiben, ohne in Panik zu geraten, sind Leistungen, die ich nicht immer bringen kann. An vielen Prüfungen gilt: alles oder nichts. Vieles läuft standardisiert ab. Dadurch schafft die Uni Schranken, die nicht für alle gleich leicht zu überwinden sind. Das lässt nicht immer viel Raum für Menschen, die etwas anders sind.

Bei der Fachstelle Studium und Behinderung habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich weiss jetzt konkret, dass ich beantragen darf, für eine Semesterarbeit etwas mehr Zeit zu erhalten. Jedoch bin ich oft unsicher, ob und wie ich Dozent*innen ansprechen soll. Ist das ein Grund, oder nicht? Darf ich das fragen, oder nicht? Solches geht einem ständig durch den Kopf. Das lastet sicherlich auf vielen Studierenden mit Beeinträchtigung. Deshalb ist es mir umso wichtiger, offen darüber zu sprechen. Man macht sich zwar verletzlich und tanzt aus der Reihe. Dennoch finde ich es wichtig, zu sagen: «Hey, das bin ich. Und uns gibt es auch!».