08. Juni 2016

Kürzlich war ich an der Vegana. Wahrscheinlich ist vielen nicht klar, dass es sich hierbei um ein Streetfood-Strassenfest im Zeichen des Veganismus handelt, doch allein das Lesen von „vegan“ lässt einigen nun die Haare zu Berge stehen ...

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 – ist sie also auch eine von denen? Teil dieser eingesessenen Clique missionarischer Ernährungfaschos? Die sieht ja gar nicht so aus? Stimmt, deshalb bin ich ja auch nicht vegan. Ging aber im Namen der Allgemeinheit, die solche Anlässe mit einer gesunden Portion Ignoranz belächelt, doch mal hin. Natürlich machte ich mich innerlich bereits auf die militantesten aller militanten Prediger und darauffolgende Eklats gefasst, stellte mein Anti-Veganismus-Argumentarium zusammen, mit „ihr esst meinem Essen das Essen weg“ als nur einem von vielen bestechenden Einwänden. Am Ort des Geschehens angekommen, bot sich mir ein unerwarteter Anblick. Da mischten sich die eigentlichen Vegana-Besucher mit den samstäglichen Sihlcity-Shoppenden, welche sich halb neugierig, halb irritiert zwischen den zahlreichen Festzelten bewegten. Um ehrlich zu sein: Ganz so einfach war es nicht, erstere von letzteren zu unterscheiden. Vielleicht fehlte mir auch das vegane Auge dazu. Jedenfalls gönnte ich mir einige vegane Köstlichkeiten und wartete auf den Auftritt eines ungesund aussehenden, ausgemergelten Hippies, der mich als Nichtveganerin identifizieren und mich unter aggressiven Rufen vom Gelände verweisen würde. Vergeblich. Ebenfalls blieb die belehrende Predigt aus, als ich tatsächlich mit einem der Veranstaltenden ins Gespräch kam. Der blieb überraschend freundlich, hielt mir nichts vor und zeigte keinerlei Veränderung als ich gestand, nicht vegan zu leben. Positiv überrascht ging ich nach Hause und berichtete gleich über mein Erlebnis. Die Reaktionen fielen so irritiert bis angewidert aus, dass ich mich selbst plötzlich sagen hörte, dass unser massloser Fleischkonsum nicht allein des Tierwohls wegen sondern auch aus klimatechnischen Gründen nicht unverändert fortgesetzt werden könne. Und dass, wer anderer Meinung sei, sich gerne 2050 mit mir in Verbindung setzen könne und sehen werde, wer denn letztendlich Recht behalte. Tja, also irgendwie doch eine von denen. Auch wenn ich nicht so aussehe. Aber auch das kann sich ja noch ändern."