09. Mai 2020

Wenn mich jemand in meiner Schulzeit als Streber bezeichnet hat, dann hab ich ihm nur zugenickt und gesagt: Jawohl, das bin ich ...

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Ein Streber strebt offensichtlich nach Wissen - und das tue ich. Ich setze mich gerne an meinen Schreibtisch, in den bequemen braunen Ledersessel, den mir mein Grossvater vererbt hat und begebe mich in eine Welt, wo mich keiner stört. Dann wandle ich stundenlang in diesem brodelnden Strudel nie endender Information herum, spüre keine Last der Welt auf meinen Schultern, noch ein Gefühl für Raum und Zeit. 

Viele Leute haben nie verstanden, dass ich gern in meiner Welt lebe, friedlich und für mich. Meine Mutter genauso wenig. Sie ist diese ewige, nicht alternd wollende Sozialkönigin, immer mit dem Vorwurf ausholend, dass ich seelisch verkümmern sollte, ohne den Kontakt zu meinen Mitmenschen. Zwar bezweifle auch ich, dass Menschen für das Alleinsein bestimmt sind. Aber allein war ich nie. Ich war immer mit irgendeinem befreundet, einem anderen Streber eben.

Ich will in keiner Weise überheblich wirken, das bin ich nicht. Partys und Clubs, da hab ich mich auch schon hinschleppen lassen. Meist stand ich dann idiotisch in einer Ecke und konnte nicht einmal mit dem Fuss richtig zum Takt mit wippen, weil mir die Musik schlicht und einfach missfiel. Und über den Versuch mit meinem Wissen in Evolutionsbiologie zu brillieren, war die Damenwelt auch nicht einzufangen. Fazit: Mit meinem Erscheinen mach ich dort weder mir noch irgendjemand anderem einen Gefallen. 

In hart erlernter Umgangssprache formuliert: Chillt abe. Wir sind wer wir sind, solange harmlos und ohne böse Absicht handelnd. Und ich lache ja auch niemanden aus, der Museen prinzipiell meidet. Was ich zwar gerne einmal machen würde, nur um zu sehen, wie die Reaktion ausfällt.