03. Mai 2020

Der Arzt auf der Ersatzbank ...

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Der Arzt auf der Ersatzbank: Nach Ausbruch der Pandemie stand ich als frisch ausgebildeter Mediziner vor der mir anfangs etwas unbequemen Tatsache, dass ich im Gegensatz zum Grossteil meiner Kolleginnen und Kollegen nicht bei der täglichen „Virusbekämpfung“ mithelfen konnte.

Dies, da ich meinen Zivildienst an der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), wo ich ab Juni als Assistenzarzt arbeiten werde – nicht einfach so abbrechen konnte. Was zunächst mit einem schlechten Gewissen einherging, erwies sich jedoch als ebenso sinnstiftend. Mir wurde mehr und mehr bewusst, dass hier mehr als eine “Front“ besteht: eine der physischen und eine der psychischen Art. Und an letzterer gibt es mehr als genug zu tun.

In meiner momentanen Funktion als Aushilfslehrer in der ipw-Spitalschule kann ich dabei helfen, das Pflegeteam zu entlasten. Der Unterricht soll verhindern, dass die PatientInnen während ihres Klinikaufenthalts den schulischen Anschluss zu ihren AltersgenossInnen verpassen. Zudem ermöglicht es ihnen, die momentane Situation besser einzuordnen. Letztens bearbeiteten wir beispielsweise die Wichtigkeit der Seriosität von Medienquellen.

Wir versuchen, so viel Normalität im Leben der PatientInnen aufrechtzuerhalten, wie nur möglich. Sich mit einer geordneten Tagesstruktur einzudecken, hat für uns alle grosse Relevanz. Um sich nicht in Selbstoptimierung oder -mitleid zu verlieren, sollte man sich zusätzlich einen Ausgleich gönnen. So lebe ich zum Beispiel meine Freude fürs Musik machen wieder vermehrt aus.

Wenn ich mir noch etwas wünschen könnte, dann das: Kümmert euch doch ein bisschen um all diejenigen, von denen ihr wisst, dass sie psychisch weniger belastbar sind. Denn gerade in Zeiten wie diesen denken sie umso mehr, dass ihre Probleme nichts wiegen würden. Ruft an und sagt einfach hallo.