21. November 2016

Ich bin 29 und habe dieses Jahr mit meinem Studium begonnen. Bis vor kurzem sah es in meinem Leben aber ganz anders aus: Im Mittelpunkt stand meine Profikarriere im Tennis ...

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Ich bin 29 und habe dieses Jahr mit meinem Studium begonnen. Geschichte und Philosophie sind die Fächer meiner Wahl. Bis vor kurzem sah es in meinem Leben aber ganz anders aus: Im Mittelpunkt stand meine Profikarriere im Tennis. Eine sehr intensive Zeit mit starken, abwechslungsreichen Emotionen und ausserordentlichen Momenten. Auf der Tour habe ich mich bis auf Platz 300 hochgearbeitet und im Davis Cup hatte ich die Chance mit Grössen wie Federer und Wawrinka zu spielen. Auch alleine auf dem Feld war die vibrierende Atmosphäre ein Genuss. Vor dir ein einzelner Gegner, meistens genauso motiviert zu gewinnen wie du, um dich herum die Zuschauer. Es hat auf jeden Fall etwas spezielles an sich.

Doch dieses Leben hat auch ein zweites, ganz anderes Gesicht. Abgesehen von einem enormen Leistungsdruck, der ununterbrochen über dir schwebt, ist es von einer gewissen Unsicherheit geprägt, welche zum Teil auch durch diesen Druck bedingt ist. Ich konnte auf eine Art die ich liebe meinen Lebensunterhalt verdienen, jedoch war es unmöglich Pläne für die Zukunft zu machen. Ich verdiente nicht genug, um wirklich Geld auf der Seite zu haben. Man hat viele Ausgaben: Coachs, Hotels, die Reisen im allgemeinen etc. etc. Ich konnte einfach nie wissen wie es in einem Monat oder einem halben Jahr aussehen würde. Mein jetziges Leben ist da ganz anders, ich kann mir Vorstellungen machen über die Zukunft, ohne dass diese Zukunft von Faktoren abhängig ist, die ich nicht gut vorhersehen oder schwer beeinflussen kann. Es ist ein Gefühl dass wichtiger ist als man manchmal meint.

Während meiner ganzen Karriere habe ich immer viel und gerne gelesen. Einerseits ist es etwas vom Wenigen, wofür gut Zeit zu finden ist, da zwischendurch ein paar Stunden ausgefüllt werden müssen. Andererseits weiss ich, dass es an mir genagt hat mit 16 die Schule abgebrochen zu haben um mich auf das Tennis zu konzentrieren. Ich habe mir keine Vorwürfe gemacht, dennoch wollte ich mich auch in meinem Wissen und Verständnis weiterentwickeln. Meine Allgemeinbildung voranzutreiben war das logische Resultat davon. Psychologie, Geschichte und jegliche Themen die mich interessierten wurden erforscht. Über die letzten Jahre habe ich mich dann auch entschieden dass ich noch studieren will. Letztes Jahr habe ich meine Matura nachgeholt. Jetzt bin ich an der Uni, habe einen kleinen Nebenjob, und geniesse diesen neuen Lebensstil. Natürlich spiele ich noch Tennis, einfach weniger. Es ist etwas mehr in den Hintergrund gerückt. Ist auch mal angenehm.