05. August 2016

Handy für Studenten Part 1: iPhone 6s vs Huawei P9 lite. Teuer gegen günstig. Wie schneiden die beiden Geräte in einem Praxistest ab? ...

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David gegen Goliat

Von der Redaktion: Früher war es einfach: Nokia, Samsung, oder doch ein Sony Ericsson? Man konnte sich mit dem Entscheid auch Zeit lassen. Einmal pro gefühltes Jahr gab es ein neues Mobiltelefon auf dem Markt, welches mit genialen Features wie Farbdisplay den Rest in den Schatten stellte! Doch heute ist das leider anders ... Alle paar Wochen kommt was Neues auf den Markt. Preise wechseln ständig, alle können irgendwie dasselbe, doch jeder verspricht er sei anders.

Fazit - Es herrscht ein inakzeptables Mobiltelefon-Chaos!

Da die meisten Studenten erst mit zunehmendem Alter Millionäre werden und momentan sich auch hie und da noch für einen 5er bücken müssen, untersuchen wir in den nächsten Wochen das P9 lite des aufstrebenden chinesischen Handyproduzenten Huawei und vergleichen es mit den existierenden Modellen auf dem Markt.

Das Ziel ist klar: Wir wollen herausfinden, ob man wirklich sein halbes Monatsbudget für ein Handy raushauen muss oder ob es nicht auch stark günstigere Alternativen zu gleicher Qualität gibt!

Praxistest: Let's get started!
Ich kam über Humans of UZH zu diesem Praxistest, studiere jedoch selber Architektur an der ETH und beginne im September mein Masterstudium. Meine ersten zwei Smartphones waren ein HTC, nämlich das HD2 und später das Sensation, bis ich schliesslich auf ein iPhone wechselte und Besitzer eines 4s und 5s war und zurzeit des aktuellen 6s bin. Ich konnte also schon Android wie auch iOS als Betriebssystem benutzen und war daher offen und gespannt wieder ein Android betriebenes Smartphone zu testen und zu schauen, was das Huawei P9 lite auch hardwaremässig leisten kann.

1. Unpacking

Im Zusammenhang mit diesem Test bekam ich also von Humans of UZH ein nigelnagelneues Huawei P9 lite. Das P9 lite kommt in einer edlen schwarzen Box daher. Nach dem Öffnen der Box nehme ich das Gerät zur Hand und ziehe als erstes die auf der Rückseite aufgebrachte Folie ab. Auf der Vorderseite ist bereits eine Schutzfolie aufgebracht. Huawei scheint hier mitzudenken und erspart mir den Kauf und das mühsame Aufbringen einer solchen Schutzfolie. Für mich als "Schutzfolien-Benutzer" ist das sehr erfreulich. Das Gerät liegt gut in der Hand und ist etwas grösser als mein iPhone, so auch der Display.

iPhone 6s Huawei P9 lite
Display 4.7" 5.2"
Betriebssystem iOS Android
Speicher 16 / 64 / 128 GB 3GB RAM + externe Speicherkarte (microSD) "individuell anpassbar"
SIM 1 SIM (nano) 2 SIM und 1 SD oder 1 SIM und 2 SD (nano)
Akkuleistung 1717 mAh 3000 mAh
Kamera hinten 12 Megapixel 13 Megapixel
Kamera vorne 5 Megapixel 8 Megapixel
Charger-Anschluss Apple spezifischer Lightning Connector allgemeiner Micro USB Anschluss
Datenübertragung iTunes gesichert freier Datenträger
Preis (digitec) Ab CHF 659.- (16 GB Version) Ab CHF 279.- (mit austauschbarer 16 GB SD Speicherkarte)
Die Produktspezifikationen im Direktvergleich

2. Betriebssystem

In den folgenden Tagen beginne ich mit der Einrichtung des P9 lite. Ich bin erneut überrascht, als ich aufgefordert werde, meinen Fingerprint zu scannen, denn bis dahin war mir nicht bewusst, dass das P9 lite auf der Rückseite einen Fingerprint-Leser besitzt. Anschliessend beginne ich mit der Installation meiner meist genutzten Apps. Auf Platz 1 ist zu diesem Zeitpunkt nicht die Kommunikations-App WhatsApp, wie man meinen könnte. Vielmehr arbeite ich zurzeit an meinen Poketrainer-Skills und installiere als erstes Pokemon Go.

Alle Apps auf einen Blick. Pokemon Go natürlich vorne mit dabei!

Ich brauche einige Tage um meine Automatismen der iPhone-Bedienung umzugewöhnen, doch viel braucht es nicht, denn die Oberfläche ist Übersichtlich und unterscheidet sich nicht stark vom iPhone. Die frei platzierbaren Widgets von Android vermisse ich beim iOS. Ich finde sie sehr nützlich, da sie einen schnellen Zugriff auf bestimmte Funktionen erlauben. Im Allgemeinen komme ich sehr gut zu Recht mit der Bedienung der Software und erfahre keinerlei Schwierigkeiten. Auch läuft sie sehr flüssig und es kommt in der 10-tägigen Testzeit zu keinen Aussetzern. Die Datenübertragung gestaltet sich ebenfalls relativ einfach. Einmal per USB angeschlossen, lässt sich das P9 lite wie ein ganz normaler Datenträger nutzen. Musik und Fotos können ganz einfach übertragen oder gelöscht werden. Dual-SIM und Speicher Das P9 lite bietet mit 16GB gleich viel internen Speicher wie mein iPhone. Was ich beim iPhone ein No-go finde, wird beim P9 lite korrekterweise angeboten, nämlich die Erweiterung des Speichers durch eine Speicherkarte. Bei Apple wird man ja bei der Aufstockung des internen Speichers schon fast abgezockt.

2 SIM-Karten möglich!

3. Lautsprecher

Ob beim Pendeln oder im Gym, mein Smartphone benutze ich auch viel um Musik zu hören. Im Direktver- gleich der Lautsprecher verwandle ich meine Wohnung für kurze Zeit in eine Disco, naja nicht ganz aber fast. Mir fällt auf, dass die Lautsprecher des P9 lite leicht lauter erklingen als die des iPhone. Auch hier können meine Ohren keinen qualitativen Unterschied ausmachen. Die Nachbarn reklamieren und ich setze meinen Test daher mit den Kopfhörern fort.

4. Kamera

Nun ein Smartphone soll ja auch gute Fotos schiessen können, schliesslich hat man es immer dabei und kann jeder Zeit einen Moment festhalten. Ich bin verabredet auf ein Feierabendbier im Geroldsgarten und beschliesse vorher noch an der Hardbrücke einen Direktvergleich der Kameras durchzuführen. Die 13 Megapixel Kamera des P9 lite ist mit einem Megapixel mehr ausgerüstet als die des iPhone mit 12. Die Frontkamera kommt mit 3 Megapixeln unterschied, nämlich acht beim P9 lite und fünf beim iPhone. Mir ist bewusst, dass die Megapixel nicht das einzige Kriterium für qualitativ hochwertige Fotos sind, sondern Grösse des Sensors und auch andere Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Als erstes schaue ich mir die Funktionen der Kamera an. Beide Smartphones bieten eine Menge davon an. Vom Timer über Panorama bis hin zu verschiedenen Effekten und Filtern sind bei beiden reichlich im Angebot. Auch was die Videofunktion betrifft kann das Huawei mit dem iPhone mithalten und bietet Funktionen wie Slow-Motion oder Zeitraffer an. Mir scheint, dass das Huawei einen Tick mehr Funktionen bietet, wie zum Beispiel die "Pro-Kamera", wo alle Einstellungen selber gemacht werden können oder die "Lichtmalerei" Funktion.

iPhone 6s
Huawei P9 lite
Die Auflösung scheint identisch zu sein

Als erstes muss ich sagen, dass die Fotos beider Geräten von sehr guter Qualität sind. Bezüglich der Auflösung sind keine Unterschiede auszumachen.

iPhone 6s
Huawei P9 lite
Das iPhone Bild wirkt farblich leicht realistischer

Nur beim genaueren Hinsehen sieht man in einigen Situationen, dass die Bilder des iPhones teils farblich intensiver wirken.

iPhone 6s
Huawei P9 lite
Vor allem bei Gelbtönen scheint das Huawei P9 lite mühe zu haben

Die Fotos vom P9 lite sind ein wenig kontrastarm und leicht blasser als die vom iPhone. Besonders grosse Mühe scheint das P9 lite mit Gelbtönen zu haben, denn diese sind meist verblasst, sehr helle und leichte Gelbtöne zum Teil sogar einfach weiss. Besonders gut sieht man dieses Problem beim Foto meiner Schuhe auf dem Sandgelben Bodenbelag. Dieser hatte tatsächlich einen kräftig gelben Anschein und war nicht so blass wie auf dem Foto des P9 lite.

iPhone 6s
Huawei P9 lite
Meiner Meinung nach schiesst das iPhone die realitätsgetreueren Bilder

Ich bin daher der Meinung das die Farben der Fotos vom iPhone realitätsgetreuer dargestellt werden als jene vom P9 lite. Kurz zusammengefasst heisst das also: Bei Qualität der Auflösung ist kein Unterschied zu sehen, das iPhone macht aber farblich intensivere, kontrastreichere Fotos mit meiner Meinung nach realitätsgetreueren Farben. Trotzdem finde ich, dass die Kamera des P9 lite im Direktvergleich mit dem iPhones sehr gut mithalten mag.

iPhone 6s
Huawei P9 lite

5. Akkuleistung

Nun bevor ich mein Fazit ziehe, komme ich noch zum letzten Vergleich, dem Akku. Dieser ist für mich ein sehr wichtiges Kriterium. Für mein iPhone musste ich bereits ein Ladegerät am Arbeitsplatz einrichten, denn ohne dieses war gegen Abend, meistens beim nach Hause fahren, Schluss. Nicht nur verkümmern dann meine Pokemontrainer-Skills, sondern auch konnte ich öfters im anschliessenden Gym-Besuch keine Musik mehr hören. Um eine gleich intensive Nutzung zu erzielen habe ich ja bereits die gleichen, alltäglich gebrauchten Apps installiert. Auch zähme ich weiterhin meine Pokemons auf dem P9 lite. Aus den technischen Datenblättern lese ich heraus, dass der iPhone Akku eine Kapazität von 1715mAh besitzt, während der Akku des P9 lite mit einer Kapazität von 3000mAh herkommt.

1715 mAh (iPhone 6s) vs. 3000 mAh (P9 lite)

Das ist eigentlich fast doppelt so viel, doppelt so lange hält er jedoch nicht. Dies war auch nicht zu erwarten, schliesslich hat das P9 lite auch ein grösseres Display, der mehr Energie verbraucht. Trotzdem macht sich die Hohe Kapazität des Akkus bemerkbar und hält länger an als mein iPhone. Bei einer gleich intensiven Nutzung an einem Arbeitstag inklusive anschliessendem Gym-Besuch komme ich Zuhause mit einer Restladung von circa 15% an. Mein iPhone wäre da schon längst tot gewesen.

6. Preis & Fazit

Während das iPhone 6s ab einem Preis von 659 Fr. (16GB) und aufwärts erhält und somit ziemlich teuer ist, bewegt sich das Huawei P9 lite mit einem Preis von 279 Fr. (beide Preisangebote stammen von Digitec) im unteren Preissegment.

CHF 659.- (iPhone 6s) vs. CHF 279.- (P9 lite)

Huawei scheint hier am richtigen Ort zu sparen, denn dieser grosse preisliche Unterschied, lässt sich nicht im selben Masse an der Qualität der Hard- und Software ablesen. Das P9 lite hat daher für mich das deutlich bessere Preis-Leistungsverhältnis. Denn die Leistung des P9 lite übertrifft die des iPhones zwar nicht, aber kommt ihr ziemlich nahe. Für die Gesamtbeurteilung muss ich sagen, dass das iPhone mein Favorit ist, es kommt im Design, Material aber auch im Betriebssystem einfach hochwertiger daher. Trotzdem finde ich das P9 lite eine gelungene Kreation, in einem schlichten schwarzen Design, gut ausgestatteter Hardware und einfach zu bedienender Software.

Nach dieser 10-tägigen Test Zeit bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich das P9 lite gerne behalten würde. Einerseits denke ich, dass es noch viele unentdeckte Funktionen gibt und anderseits reise ich viel in die Türkei um meine Verwandten zu besuchen, da würde sich die Gelegenheit ergeben die Dual-Sim-Funktion zu gebrauchen, wovon ich mir jetzt noch kein Bild machen konnte.

Vielen Dank an Joël von Humans of UZH und auch Huawei!


Mehr Informationen zum Huawei P9 lite findest du hier Huawei P9 lite Website.

Die Mobiltelefone wurden von Huawei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!