24. November 2016

Generell sind Studienanfänger voller Tatendrang und vom Bedürfnis erfüllt, frei zu denken und sich individuell auszudrücken. Allerdings wird diese Euphorie innerhalb der Wände der Universität schnell gedämpft ...

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Vor allem in meinem Studiengang, Philosophie, wird einem mehr oder weniger gesagt: Von den grossen Denkern wurde schon viel Weltbewegendes überlegt und erforscht, dies wird euch jetzt beigebracht. Natürlich ist es richtig, das bahnbrechende Ideen schon früher zum Ausdruck gekommen sind, doch die Art, auf die wir uns im Unterricht damit befassen lässt keinen Platz für unser individuelles Denken, es bleibt links liegen. Mindestens sehe ich das so. Vor ein paar Tagen haben Freunde und ich ein Buch zum Druck geschickt. Unter den Autoren sind Teilnehmer verschiedenster Studiengänge repräsentiert, unter anderem der Philosophie und der Medizin. Der Name des Buches lautet „Schneeglöggli“, wie die Pflanze die im Frühling aus dem Schnee herausbricht. Das Ziel unseres Buches ist es also, solch eine Samen des Selbstdenkens gedeihen und herausbrechen zu lassen, wie eben eine Schneeglocke. Dazu will ich noch bemerken, dass ich selber oft nur den Kopf schüttle, wenn jemand auf eine philosophische Frage, wie zum Beispiel „Was ist Glück?“, einfach anfängt zu reden und sich nicht mindestens an gewisse etablierte Richtlinien hält. Genau gegen diese Art von Denken, dem ich auch verfallen bin, ist dieses Buch gerichtet.

Ich will die Universität natürlich nicht nur schlecht reden. Sie schenkt einem einen Kreis von Gleichgesinnten, der zur gedanklicher Entfaltung notwendig ist. Auch ist die rhetorische Überzeugungskraft von Professoren, die ich hier die Chance hatte zu erleben, nicht kleinzureden. Dennoch durch alle gereiften Sätze, die man wöchentlich hört, nimmt man sehr wenige interessante Ideen wirklich mit, teilt sie mit den Menschen die einem nahe sind und macht sich vertiefte Gedanken darüber.

Dieses Buch wird ein Versuch sein, ein paar Menschen zum Denken zu animieren. Wir suchen nicht Zustimmung sondern wollen den Dialog fördern. Einen Dialog, der von persönlichen Erlebnissen geprägt ist und so wenig wie möglich von der Fachidiotie des perfekten Ausdrucks Gebrauch macht. Einen Dialog der weiter versucht, von seit Jahren manifestierten Meinungen frei zu sein. Aus diesem Grund werden wir das Buch auch gratis – irgendwann zur Weihnachtszeit – verteilen. Es wird ein Versuch sein, etwas Kleines zu bewirken.