01. Dezember 2016

Ich sah wie er von zwei riesigen, mit Muskeln zugepackten, Securitas regelrecht raus gezogen wurde, gefolgt von einem dritten vom Sicherheitspersonal. Auf einem kleinen Flur zwischen Club und Treppenhaus wurde dann auf ihn eingeprügelt ...

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"Eigentlich wollte ich an diesem Abend gar nicht ausgehen. Irgendwie wurde ich dann von einer Einladung und einem Kumpel aus dem Iran, den ich lange nicht mehr gesehen habe, doch überzeugt auszugehen. Freier Eintritt und Getränke sind eben gute Argumente. Über diesen Kumpel muss noch gesagt werden, dass er oft Probleme bekommt, wieso genau ist mir unklar. Also ging ich um Elf unter die Dusche und danach ins Flamingo. Nachdem ich eingelassen wurde, fing ich an zu trinken und eine gute Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Mir unbekannt war, dass 50Cent ein Kleinkonzert geben würde. Dies war eine angenehme Überraschung, jedoch hatte es dadurch auch mehr, und eventuell auch misstrauisch gestimmte, Security.

Nachdem eine Weile alles gut ging, merkte ich plötzlich, dass der besagte Kumpel seit einer Weile verschwunden war. Gerade als ich aufstehen und ihn suchen wollte, sah ich wie er von zwei riesigen, mit Muskeln zugepackten, Securitas regelrecht raus gezogen wurde, gefolgt von einem dritten vom Sicherheitspersonal. Auf einem kleinen Flur zwischen Club und Treppenhaus wurde dann auf ihn eingeprügelt. Ich wusste nicht wieso das passierte, aber ich musste dazwischen. Dies tat ich auch, schreiend was denn los sei. Zu meiner Überraschung hielten sie inne, doch zu meiner weitaus grösseren Überraschung nahm der eine einen Pfefferspray raus und verpasste mir eine Dosis. Nun war ich blind. Brennende Augen waren nur der Anfang. Dieses Zeug geht überall hin, Nase, Mund. Atmen fiel mir plötzlich schwer. Die dramatische Weiterentwicklung der Begebenheit hört sich fast surreal an. Ich wurde die Treppe runter geworfen. Hier ist daran zu erinnern, dass der Club sich im 4ten Stock befindet (glaube ich). Ich wurde bis vor die Tür auf den Gehweg geschleppt. Meine bildliche Rekonstruktion von der Geschichte ist unvollständig, meine Augen waren meistens geschlossen. Unten angekommen fanden mich meine Freunde. Sie wiesen mich auf meinen stark blutenden Finger hin der eine tiefe Wunde hatte. Krankenwagen und Polizei wurden gerufen. Ich war nicht im Stande ein Statement abzugeben. Viele Menschen konnten aber meinen „Treiber“ identifizieren. Ich wurde zuerst mal ins Krankenhaus gebracht.

Nach vielen und langen Untersuchungen und 6 Stichen durfte ich am nächsten Abend das Krankenhaus verlassen. Mir war nichts wirklich Schlimmes passiert, ich hatte Glück. Ich ging nach Hause und schlief für fast 30 Stunden. Ich habe mich entschieden nicht zu klagen, doch der eine Sicherheitsmann sieht sich einer zivilen Klage ausgesetzt. Ich hatte eine Weile regen Kontakt zur Polizei. Das Lustige ist, wenn etwas passiert, kommt es einem sehr schlimm vor. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist es eine gute Geschichte zu erzählen.

Ich komme aus Costa Rica, habe in den USA studiert und mache jetzt meinen Master an der ETH. Noch nie habe ich etwas auch nur annähernd so extremes wie diese Begebenheit erlebt. Zürich ist eine verrückte Stadt."

Kommentar des Journalists: Mir wurden Fotos von den blutunterlaufenen Augen und dem verletzten Finger im Krankenhaus gezeigt. Nach dem Gespräch blieben mir auch keine Zweifel an der Echtheit dieser Geschichte.