31. Januar 2017

Ist denn unsere Prüfungsphase an der Uni überhaupt normal? Ist es überall Realität, dass man sich einige Monate vor den Prüfungen einbunkert, die Haare langsam ausfallen und Zähne verfaulen ...

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„Du hast doch sicher das ganze Jahr nur gechillt!“ – meinten viele meiner Mitstudenten an der UZH. In der Tat zelebrierten wir den Austausch mit zahlreichen Ausflügen, Bar- und Clubbesuchen, doch ist denn unsere Prüfungsphase an der Uni überhaupt normal? Ist es überall Realität, dass man sich einige Monate vor den Prüfungen einbunkert, die Haare langsam ausfallen, Zähne verfaulen und die Motivation so tief im Keller ist, dass man mit Leichtigkeit mit einem Zombie aus der TV-Serie „Walking-Dead“ verwechselt werden könnte und sich nach den Prüfungen wie ein ausgelutschter Lollipop fühlt, der sich Gedanken über den Sinn des Lebens macht?

Ich kannte dort niemanden, der sich vorsorglich zwei Monate vor den Prüfungen einen Stammplatz in der Uni-Bibliothek ergattern wollte, doch wir haben alle was gelernt, nur auf eine andere Art und Weise. Statt „alles auf einmal“, galt „immer ein bisschen“. Den einen ging’s auf die Nerven, jede Woche was abgeben oder präsentieren zu müssen, doch es konnte einem durchaus gut tun, nach zweieinhalb Monaten Vorlesung nicht das Gefühl zu haben, dass der eigentlich harte, allesentscheidende Teil des Semesters erst noch bevorsteht. Während der UZH’ler beim Podcast einschläft, geht der Erasmus-Student mit seiner neuen Truppe ein Bierchen trinken, weil er tagsüber seine Midterm-Prüfung geschrieben hat. Der Aufwand den wir in Zürich in den letzten Monaten als Stress empfinden, wird in Barcelona ganz einfach auf das Semester verteilt.

Mir brachte eine ausgewogene Balance zwischen Freizeit und Lernen so viel mehr Motivation – fürs Lernen, wie auch für die Freizeit. Und dann kam die Prüfungsphase...

 

Die war jedoch nicht so heftig wie in Zürich, hatte man sich doch schon während des Semesters immer wieder ins Zeug gelegt und damit Vorarbeit geleistet. Ausserdem, um doch noch ein gängiges Klischee zu bestätigen, waren die Prüfungen teilweise tatsächlich einfacher als in Zürich. Es lag vor allem daran, dass man nicht froh sein musste, bei Prüfungsende knapp die Hälfte der Aufgaben gelöst zu haben, nein, man hatte immer genügend Zeit, um alle Fragen beantworten zu können. Prüfungen in Barcelona testen also dein Wissen, während sie in Zürich messen, wie schnell du schreiben kannst.

Ein Semester im Ausland macht nicht nur Spass, sondern hilft einem fremden Kulturen näher zu kommen, Sprachkenntnisse zu verbessern und Erfahrungen zu sammeln, die nach Überwindung der Post-Erasmus-Depression sehr stark weiterhelfen. Auch in der Arbeitswelt macht sich’s gut, Auslandserfahrung vorweisen zu können.

Habt also keine Angst, die Komfortzone zu verlassen. Woran wollt ihr euch später erinnern? Ins kalte Wasser gesprungen oder in den verschwitzten Kleidern der Monotonie geblieben zu sein?