25. Oktober 2017

Plötzlich kamen Händler von nebenan und halfen mir den Teller herunterzuhandeln. Sie fragten dann: «Schwester, warum redest du Farsi?» ...

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Wenn ich Leute aus dem Iran kennenlerne, rede ich ein wenig Persisch mit ihnen. Das finden sie wahnsinnig toll und können es kaum glauben, dass eine Schweizerin Persisch spricht. Sie blühen richtig auf und freuen sich über jedes Wort.

Im Iran selbst ist das nicht anders. Ich habe eine enorme Gastfreundschaft erlebt, als ich dort in den Ferien war. Als ich den Leuten erzählte, dass ich Persisch und Islamwissenschaften studiere, haben sie begonnen, mich wie ein Familienmitglied zu behandeln. Ich hatte einmal ein lustiges Erlebnis auf dem Basar in Isfahan. Ich versuchte einen orientalischen Metallteller herunterzuhandeln – auf Persisch. Ich hatte damals schon ein Jahr lang Farsi gelernt und dachte, ich probiere mal mein Glück. Plötzlich kamen Händler von nebenan und halfen mir den Teller herunterzuhandeln. Sie fragten dann: «Schwester, warum redest du Farsi?» Ich studiere ja Islamwissenschaft, dort lernt man das.

Letztendlich mussten wir nur die Hälfte des Anfangspreises bezahlen. Und das Beste war, dass die Händler der Nachbarsstände uns in der Zwischenzeit frischen Tee aufgebrüht hatten. Sie sagten dann: «Schwester, schau, das ist für dich! Das ist für unsere persische Familie!» Das war sehr herzlich, vor allem weil es gerade zur Zeit des Ramadans war, wo die Iraner gar keinen Tee tagsüber trinken durften. Sie machten den Tee extra für uns! 

Ein solch offenes Verhalten Fremden gegenüber war gar nicht selten. Während des Ramadans war es so, dass beim Ruf des Muezzins die Leute wieder essen durften – nach Sonnenuntergang eben. Ganze Familien trafen sich im Park mit riesigen Töpfen voller Essen und warteten auf die Rezitation des Muezzins. Manchmal sind die Leute zu uns gekommen und fragten, ob wir mit ihnen essen wollten. Das war wirklich schön. Es waren eigentlich immer sehr herzliche Leute – mit wenigen Ausnahmen. In den Iran müsste jeder einmal gehen. Dann sieht man auch, dass nicht alles stimmt, was über das Land berichtet wird.