15. Oktober 2017

Mein Leben vom Tessin nach Zürich zu verlegen, war nicht einfach. Im Gymnasium versicherte man uns, dass wir mit einem B1 gut genug seien, um in der Deutschschweiz zu studieren. Trotzdem hatte ich Angst, niemanden verstehen zu können, und so war es dann auch ...

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Mein Sprachverständnis war zu schlecht, um in den Vorlesungen genügend zu folgen und ich musste feststellen, dass man hier nicht das Deutsch spricht, welches ich von der Schule kenne. Alle redeten Schweizerdeutsch, was mir vor allem den sozialen Austausch erschwerte. Ich versuchte immer wieder, mich mit Leuten anzufreunden, doch wir konnten uns oft nur schlecht verständigen. Schliesslich schloss ich mich einer Gruppe Tessiner Studenten an. Dort halfen wir uns gegenseitig, teilten uns die Arbeit untereinander auf und schafften es auf Schleichwegen, zusammen das Studium zu absolvieren. „Furbo“, würde ich dem sagen.

Ein paarmal habe ich gedacht, ich hätte Nicht-Tessiner-Freundinnen gefunden. Wir tauschten Nummern aus, trafen uns und schrieben regelmässig miteinander. Doch es verlief stets gleich: Bald flachte der Kontakt ab und ich hörte nichts mehr. Das fand ich schade, denn es entspricht nicht meinem Verständnis von Freundschaft.

 Es erscheint mir, als sei vieles in Zürich etwas kurzfristiger und oberflächlicher. Die Stadt ist so gross und die Menschen sind so beschäftigt. Da bekomme ich schnell das Gefühl unter zu gehen. Natürlich sind nie alle Leute gleich, genauso wie sich das Gefühl des Alleinseins vermutlich nicht nur auf Tessiner Studenten beschränkt. Ich denke, dass ein bisschen mehr Offenheit sicherlich nicht schaden würde und uns allen etwas gäbe.